Schönebuechelotzi

Die zweite Maskengruppe der Atzenbacher Narrenzunft ist im Jahr 1985, zum 25-jährigen Jubiläum der Narrenzunft, ins Leben gerufen worden. Die Gruppe nannte sich Atzos. Das Häs der Atzos war nicht geeignet, sich mit den anderen Zeller Maskengruppen messen zu können, zumal auch der historische Hintergrund fehlte. So nahm sich der damalige FGZ-Präsident Hans Fräulin der Sache an. Er beriet die Narrenzunft bei der Suche nach einer anderen Figur, die geschichtlich zu Atzenbach passt und sich somit in die traditionsbewusste Zeller Fasnacht besser einfügt. So entstanden aus den Atzos die Schönebuechelotzi, die ein komplett anderes Häs erhielten als ihre Vorgänger.

Der Schönebuechelotzi geht auf eine düstere Begebenheit vor fast 600 Jahren zurück. Am 26. August 1444 kämpfte bei St. Jakob an der Birs, vor den Toren Basels, ein Söldnerheer von Armagnaken im Auftrag des deutschen Königs Friedrich III. gegen die Eidgenossen. Bei dieser blutigen Schlacht wurde das eidgenössische Heer vernichtend geschlagen und die armagnakischen Söldner mussten schwere Verluste hinnehmen.

Nach jener Schlacht zogen die Söldner brandschatzend und plündernd auch durch das Wiesental. In Schönenbuchen haben sich die Oberen Wiesentäler zusammengerottet, um die Söldner aufzuhalten. Sie lauerten ihnen auf den Felsen und Anhöhen auf und warfen beim Herannahen der Armagnaken eiserne Krähenfüße ins Tal, die in die Hufe der Pferde drangen. Durch das Scheuen der Pferde ergab sich eine solche Hysterie, dass die Söldner sich gegenseitig angriffen und umbrachten.

Die Sage berichtet, dass das Wasser der Wiese vom Blut der Getöteten rot gefärbt war und am Geisheuel auch ein toter Soldat angetrieben wurde. Zerlumpte (verlotzte), verwundete und hungernde Söldner sind Tage und Wochen nach dem Vorfall in Schönenbuchen immer wieder in Atzenbach aufgetaucht. Die Atzenbacher waren sich danach sicher, dass sich die Geister der Getöteten nachts durch das Dorf trieben, sie nannten sie Schönebuechelotzi.
Heute machen die Atzenbacher Schönebuechelotzi allerdings an Fasnacht einen überaus lebendigen Eindruck und begeistern ihre Zuschauer regelmäßig mit tollen akrobatischen Einlagen.

Textauszüge aus Uli Merkles Buch “so sin mir”