Der Hürus

 

Die Insignien des Hürus: Zepter und Hut

Der Hürus ist der Regent der Zeller Fasnacht – eine einmalige Institution mit geschichtsträchigem Hintergrund und heute die Hoheit aller Zeller Narren.
Man weiss das zu schätzen, der Hürus hat in Zell und weit über die Grenzen hinaus einen hohen Stellenwert. 
Weiteres über die Figur des Hürus in folgenden Unterpunkten :

Woher kommt der Name Hürus? Was steckt hinter der geschichtlichen Figur?

Hürus” (auch Harras) bedeutete im Mittelalter soviel wie “starker, mächtiger Mann”, es konnte allerdings auch wild, ungebärdig und wüst heißen.
Der Hürus war keine bestimmte geschichtliche Person, sondern einfach “der Mächtige”. Bezeichnenderweise trugen von den Herren von Schönau, die jahrhundertelang Grundherren von Zell waren, die meisten diesen Beinamen. Der Begriff “Hürus” muß daher wohl über viele Generationen mit der Person des Herrn über Zell verbunden gewesen sein. Es gab gute und böse “Hürusse” und mit manchen mögen die Zeller ihre liebe Not gehabt haben.

Trotzdem bestand aber stets eine innere Verbindung zu dieser Gestalt die es rechtfertigt, der Zeller Fasnacht als Symbol der Geschichtsverbundenheit und Wesenstreue voranzustehen.
Der Hürus ist kein Phantasiegebilde, sondern eine geschichtlich belegte und uns Zellern ganz allein zugehörige Gestalt. Und darauf legen wir besonderen Wert.

Wie der Hürus 1967 in Zell eingeführt wurde

Hans Fräulin, langjähriger Präsident, war die Figur des Prinzen, welcher seit den 1940ern Jahren die Zeller Fasnacht regierte, schon lange ein Dorn im Auge.
Dem uralemannischen Narrenstädtchen Zell einen Regenten nach Vorbild des rheinischen Karnevals vorzusetzen, das konnte es nicht sein. So suchte er, zusammen mit dem Heimatdichter Gerhard Jung, nach einer heimischen Figur, welche die jeweilige Fasnachtskampagne leiten sollte.

Recht schnell fand sich eben jene Rolle in der Figur des Hürus. Doch wie sollte das der Bevölkerung beigebracht werden? Die Zeller liebten ihren Prinzen nämlich heiß und innig. Gerhard Jung schrieb Flugblätter an alle Zeller Haushalte, um die Figur schmackhaft zu machen.
Mit dem Präsidium und den Vorständen der Vogteien wurde im Gasthaus Krone heiß diskutiert und gestritten. Nach Monaten des Streitens, des Erklärens und des Werbung machens gewann die Fraktion „Pro-Hürus“ mittels Kampfabstimmung mit einer geringen Mehrheit. Der Kunstmaler Kurt Winkler entwarf das Gewand, welches man in Basel fertigen liess.
Am Ölfte Ölfte 1967 war es dann soweit: Hans Greiner alias „Hürus Hans der I. von Zell“ hatte seinen großen Einmarsch.
Doch man hatte zuvor natürlich ein mulmiges Gefühl. Würden die Zeller den Hürus annehmen? Würde der erste Hürus gar aus dem Saal gebuht werden? Fragen, die sich erst in der Praxis beantworten liessen.
Doch Hans, der schon als junger Mann äußerst redegewandt und gewitzt war, hatte die Symphatien schnell auf seiner Seite. Danach nahm die Erfolgsstory “Hürus” ihren Lauf. Der Stellenwert der damals von Hans Fräulin und Gerhard Jung ersonnenen Figur ist heute ungebrochen.

Wie wird man Hürus?

Diese Frage ist immer wieder Thema.
Nur wenige können sich vorstellen, dass wirklich niemand vorher weiss, wer denn jetzt an der Zeller Fasnachtseröffnung am Ölfte Ölfte mit dem Hüruszepter einmarschieren wird. Naja, niemand stimmt natürlich nicht ganz: In der Regel sind vier Personen eingeweiht: Der Präsident, der “Auserkorene”, seine Partnerin (falls vorhanden) und der Kanzler.

Doch von vorne: Hürus zu werden hat nichts mit demokratischer Handlungsweise zu tun, sondern liegt einer einsamen Entscheidung zugrunde. Diese trifft ganz alleine der Präsident der Fastnachtsgesellschaft.
Was ihn dazu bewegt, diejenige Person zu fragen und wie er das macht, ist ganz alleine seine Sache. Keiner redet ihm da rein, keiner weiss Bescheid, niemand kennt des Präsidenten Gedankengänge.
Nur eines ist gewiss: Der, der Hürus wird muss ein rechter Fasnächtler sein. Er muss Zeller im Herzen sein und seine Familie muss mitspielen. Ohne geht das nicht.
Sollte also um die Chilbi ( ca. Mitte Oktober) das Telefon klingeln und am anderen Ende erklingt ein “Dätsch es mache?”, dann…..ja, was ist eigentlich dann?  

Der Präsident und der künftige Hürus treffen sich in jener geheimen Zeit nur ein einziges Mal. Das ist der Moment, wenn der Präsident dem Kanzler seinen Kandidaten vorstellt. Alles weitere wird dann dem Kanzler in die Hände gelegt. Irgendwo, weit weg, so dass es niemand sieht und hört. Der Kanzler ist ab jenem Zeitpunkt derjenige, der alles arrangiert. Gewand anpassen, den Regentennamen aussuchen, die Antrittsrede mit verfassen, unauffällig Getränke und Essen ins Hürus-Haus schaffen. Die schwerste Aufgabe ist dabei oft, einen Plan zu ersinnen, wie der Auserkorene am Ölfte Ölfte unbemerkt den Saal verlassen kann, um später als Hürus einzumarschieren. 

Was sind des Hürus’ Aufgaben?

Der Hürus ist in erster Linie natürlich der Regent und Leitfigur der jeweiligen Kampagne. In der 90 – 115 Tage umfassenden Regentschaft (abhängig vom Kalendertermin, auf den die Fasnacht fällt) nimmt ein Hürus um die 80 Anlässe wahr. Das heißt, er besucht natürlich alle Vogteien an ihren Chappeobe, aber er eröffnet auch Ausstellungen und ist bei offiziellen Anlässen wie Narrentreffen und Empfängen dabei.

Insider schätzen jedoch besonders die kleinen, stillen Anlässe, welche der Hürus wahrnimmt. Da werden beispielsweise Kranke besucht, oder ältere Mitbürger, welche nicht mehr so aktiv am Fasnachtsleben teilnehmen können wie sie gerne würden.
Eben ein Regent der für alle da ist! So muss das sein…

Triumphaler Einzug in die alte Zeller Stadthalle
11.11.2010 – Hürus Flori us de altbadische Vogtei
Jubiläumsfest - 50 Jahre Hürus

Im Juni 2018 haben die Hürusse mitten auf dem Latschariplatz das Jubiläum “50 Jahre Hürus” veranstaltet.  Es war eine aussergewöhnliche, zweitägige Party, bei der es wunderschöne Höhepunkte gab.

So gab es einen bombastischen Empfang jedes einzelnen, noch lebendes Hürus, man konnte sich mit seinem Lieblingshürus im Fotostudio Decker ablichten lassen, es wurde drunten im Escopazzo der Hüruskeller eingeweiht und der Frühschoppen, musikalisch umrahmt von der Stadtmusik Zell, am Sonntag Morgen wurde zu einem wunderschönen Festakt. Der Samstag Abend wurde abwechslungsreich gestaltet.

So liess man es sich nicht nehmen, ein eigenes “Zügelprogramm” zu gestalten. Im halbstündigen Wechsel spielten die Band Nimm3, der Fanfarenzug sowie die Hürusmusik, die Latscharisänger boten ihre Weisen genauso wie die Schnitzelbanksänger Thomas Kaiser und Kai Kiefer. Ein wirklich wunderschönes Wochenende zu Ehren der “edlen Herren zu Altenstein”.

09. – 10. Juni 2018