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Hürusportrait – Fastnachtsgesellschaft Zell im Wiesental e.V.

Hürusportrait

In 51 Jahren gab es in Zell bislang nur zwei Hürusse vom Adelsberg. Jetzt ist der dritte Adelsberger Hürus der Zeller Fasnacht: Hürus Christoph de ZM vom Adelsberg. Der eine oder andere Nichtfasnächtler wird sich über das Kürzel ZM im Namen wundern. In Zell kann man aber jeden Kinderschüler fragen was ZM bedeutet. „ZM“, so wird die einhellige Antwort sein, „heißt Zeremonienmeister.“ Und danach wird unaufgefordert eine zweite Antwort kommen: „Fünf Minute!“ Das wird nun ein Außenstehender gar nicht begreifen. Jetzt aber erst mal der Reihe nach.

Mit seinen 30 Jahren ist Christoph Freuschle, so der bürgerliche Name des Zeller Hürusses an Fasnacht längst kein Unbekannter. Denn seit 2012 ist er Zeremonienmeister der Fastnachtsgesellschaft und gehört somit zum engsten Gefolge des jeweiligen Hürusses. Zuvor war er zwei Jahre Gaukler, also auch immer im Dunstkreis des Hürusses.

Angefangen hat Christoph Freuschle als Kind, wie es sich für einen waschechten Adelsberger gehört, bei der Adelsberger Schänzlevogtei. Damals durfte er mit seinem Vater Manfred mit zum Wagenbau, während seine Mutter Christa sich für das Fasnachtskostüm des kleinen Christoph kümmerte, mit dem er am Umzug in Zell teilnahm. Später als Jugendlicher war er dann aktiver Wagenbauer. Er kümmerte sich hauptsächlich um alles was sich auf dem Umzugswagen bewegen sollte und zeichnete sich auch irgendwann für die Technik auf dem Wagen verantwortlich. In dieser Zeit war er allerdings ein unsichtbarer Umzugsteilnehmer, denn seine Aufgabe war es tatsächlich, während des Umzugs im dunklen Inneren des Wagens die mechanischen Bewegungsabläufe manuell in Gang zu halten. Auf die Frage eines Alt-Hürusses, ob es denn nicht eine schrecklich langweilige Aufgabe wäre, während des ganzen Fasnachtsumzugs wie ein Verrückter mehrere Mechaniken zu bedienen und vom eigentlichen Umzug nichts mitzubekommen, antwortet Hürus Christoph ganz locker: „Nei, erschtens ware mr immer zue zweit oder dritt und zweitens hän mr immer e Chaschte Bier debi gha.“ Aber er stand auch im Rampenlicht, nämlich bei seinen Auftritten am Adelsberger Chappeobe, an dessen Bühnenprogramm  er einige Jahre mitwirkte.

 

Aus dem Dunkel des Fasnachtswagens kam er beim Abschlusskampf der Gresger Ringer 2009 in den dunklen frühen Morgenstunden an der Bar im Gresger Bürgerzentrum: Dort fragte ihn ein Schrätteli, ob er nicht Gaukler bei der FGZ werden wolle, da einer der beiden aktiven Gaukler aufhören möchte. Kaum zugesagt, wurde er zum Arbeitseinsatz bei der Ordensherstellung bei Hürus Dirk vom alten Stamm zitiert. Das heißt, seit 2010 gehört er zum Hürusgefolge und erlebt die Zeller Fasnacht hautnah immer in der ersten Reihe. Als Zeremonienmeister ist er hauptsächlich für die zeitlichen Abläufe verantwortlich. Er sorgt also dafür, dass der Hürus seinen engen Zeitplan akribisch einhalten kann. Das geht nicht ohne seine Trillerpfeife und den lauten Ruf vor dem Abmarsch „Fünf Minute!“ Da weiß jeder, in fünf Minuten geht’s weiter, selbst wenn man noch so lustig zusammensitzt. „Fünf Minute!“ ist halb Ultimatum, halb Befehl – jedenfalls wird diese Aufforderung, wenn auch teilweise unter Murren, befolgt. Selbst der Hürus gehorcht da.

 

Dieses Jahr braucht Christoph Freuschle keine Trillerpfeife und wird durch seine „Fünf Minute!“-Rufe nicht heiser werden. Dieses Jahr ist er selbst Hürus und muss sich nicht um solche Nichtigkeiten im Protokoll kümmern. Dieses Jahr ist er Regent der Zeller Fasnacht und alle kümmern sich um ihn. Benedikt Hierholzer wird als Zeremonienmeister einspringen und die zeitlichen Abläufe fest im Griff haben.

 

Christoph Freuschle hat eine Ausbildung zum Mechatroniker absolviert. In Basel hat er sich berufsbegleitend weitergebildet und ist heute Techniker für Systemtechnik. Als solcher programmiert er SPS-Steuerungen für Maschinen zur Zahnbürstenherstellung bei der Firma Zahoransky in Todtnau- Geschwend. Als Jugendlicher war er aktiver Ringer beim SV Gresgen und hat sich in der Jugendgruppe Adelsberg engagiert, wo er bis heute noch an Heiligabend  im Jugendraum für die Adelsberger Kinder „Wir warten aufs Christkind“ und einen jährlichen Ausflug organisiert.

 

Als Hobbies hat er erst in den vergangenen Jahren das Mountainbike fahren und das Kochen entdeckt. Mit seinen Kochkünsten verwöhnt er hauptsächlich seine Freundin Melanie Wiezel. Sie ist eine der vier Hüruspagen. Irgendwann hat es zwischen den beiden –  natürlich an Fasnacht – gefunkt. Jetzt wohnen beide gemeinsam auf dem Adelsberg mit perfekter Alpensicht direkt aus der Küche.

 

Im vergangenen Jahr ist Christoph Freuschle mit großem Erfolg in den Zeller Gemeinderat gewählt worden. Seitdem wünscht sich der eine oder andere Gemeinderat während nicht enden wollender Gemeinderatsitzungen, Christoph Freuschle würde seine ZM-Trillerpfeife zum Einsatz bringen und die Sitzung in „Fünf Minute!“ beenden. Neben seinem Gemeinderatsmandat hat er zudem einen Sitz im Adelsberger Ortschaftsrat.

 

Aber jetzt ist er erstmal Hürus. Nach seinem fulminanten Einmarsch am Ölfte Ölfte und seiner beachtenswerten Ansprache dürfen sich die Zeller Fasnächtler auf eine tolle fünfte Jahreszeit mit ihrem Hürus freuen. Seinen ersten offiziellen Auftritt in Zell nach dem Ölfte Ölfte hat er bereits am 18. Januar 2020, wenn die Vogtei Paradies den Reigen der Zeller Chappeobe eröffnet.

 

Vorher gibt es allerdings noch einiges zu Organisieren. Die Herstellung seines persönlichen Hausordens ist in vollem Gange. Dabei wird er auch tatkräftig von seinem Gefolge unterstützt. Auch sein Vater Manfred ist voller Elan dabei. Er dürfte die längste Erfahrung bei der Herstellung von Hürus-Hausorden haben, denn er half schon dem ersten Adelsberger Hürus Thomas beim Anfertigen seines Ordens. Das war 1979.

 

 

Uli Merkle